Das Abbild des Menschen

Das Abbild des Menschen

Menschen mit der Kamera zu portraitieren, also ein Abbild der Person darzustellen, ist die moderne Variante von etwas, was die Menschheit schon immer umgetrieben hat.

Der Versuch, darzustellen wer jemand ist (oder wie sich derjenige gerne gesehen haben will), zieht sich durch sämtliche Jahrhunderte und hat sehr viele namhafte Künstler hervorgebracht. Jemanden zu portraitieren war zu allen Zeiten eine verantwortungsvolle ehrenvolle Aufgabe die viel Zeit in Anspruch nahm. So ein Ölbild malt sich nicht an einem Tag; von den in Stein gehauenen Abbildern großer Männer  und Frauen aller Epochen ganz zu schweigen.

Schon damals gab es Selbstportraits, diese waren aber logischerweise den Malern vorbehalten.  Rembandt, Van Gogh, da Vinci, Dürer… sie alle gehören zu den ersten von denen es ein „Selfie“ gibt.
Nun wurde ja nicht irgendwas auf die Schnelle hingepinselt, sondern im Vorfeld genau überlegt, was dieses Portrait ausdrücken soll. Dabei ging es immer um Würde, um Ausstrahlung und natürlich wurde auch schon damals eventuell etwas „nachgeholfen“.  Wobei Falten  im Gesicht  in allen  Zeiten als sichtbares Zeichen von Lebenserfahrung  galten; nicht als „Krankheit oder Gebrechen“ wie es heute der Fall ist.  Auf jeden Fall aber, ging es beim Portrait immer darum etwas so abzubilden, dass es dem Portraitierten „zur Ehre gereicht“ wie man so schön sagt.

Nie im Leben wäre Rembrandt auf die Idee gekommen, sich  selbst mit einem Duckface zu malen. So will man doch der Nachwelt nicht in Erinnerung bleiben.

Wer nun denkt „Tjaaaa, damals ewige Jahrhunderte  her, gabs ja dann nur dieses eine Bild und das konnte man nicht verschwinden lassen“, der sollte sich mal darüber Gedanken machen, dass auch das Internet nichts vergisst. Die maskenhaften Grimassen, die heute zu Hunderttausenden durch die Weiten des www wandern, werden wohl auch noch in 20 oder 30 Jahren da sein. Ich stelle mir gerade vor, wie ein 30 Jähriger einmal über die wilden Grimassen seiner Eltern stolpert, wenn er seinen Stammbaum im Netz zusammenbastelt, oder die Mutter, die Ihren Kindern erklären muss – also das mit dem komischen Gesichtsausdruck, das ist Deine Oma. Ob die das dann auch noch  lustig finden, oder eher zum Fremdschämen?

Was mir  immer öfter auffällt, ist auch die zunehmende Unfähigkeit der Selfie-maniaks, ihr Gesicht wieder  in eine normale, entspannte Position zu bringen, wenn eine Kamera in der Nähe ist.

Es gibt da offenbar einen „Social Media Gesichtsausdruck“, der sich ins Gehirn brennt und verselbstständigt. Den wird man nicht mehr los. Quasi eine Selfie Spastik die, wer weiß, sogar mal Eingang in die Medizin finden wird. Die Körperhaltung ist dabei unnatürlich verspannt und der Gesichtsausdruck wie aus dem Wachsfigurenkabinett. Es gibt nur den einen. Die Augen sind total leblos und starren ins Leere. Da ist nichts, keine Regung, kein Ausdruck, kein Gefühl – keine Seele.

. Da denk ich an Michael Jacksons „Thriller“- Video..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.